In guter Gesellschaft

Die Revolution der sozialen Netzwerke, angeführt von den Visionären Mark Zuckerberg & Co., hat die Welt dramatisch und unwiderruflich verändert. Die damit verbundenen Vorteile sind riesig. Ein kostenloser Anruf über Skype für einen kleinen Plausch mit Verwandten am anderen Ende der Welt. Die Stimme des Sohnes, der Tochter, der Mutter oder des Vaters übers Handy hören, egal wo wir uns befinden. Noch nie war es so einfach, mit Freunden in Kontakt zu bleiben und Erfahrungen, Fotos und Gedanken in Echtzeit zu teilen!

Die sozialen Netzwerke haben viel Positives bewirkt, es fällt uns leichter, einsame Momente zu überbrücken und den Kontakt zu anderen Menschen nicht zu verlieren. Aber es gibt auch eine nicht zu vernachlässigende Kehrseite: So einfach es ist, über Facebook, Twitter, LinkedIn, Google und Skype zu kommunizieren – nie war die Gefahr so groß, echte soziale Kontakte zu vernachlässigen, besonders heute, wo der nötige Familienrückhalt oder der gesellschaftliche Zusammenhalt oft nicht vorhanden sind.

Unser soziales Umfeld kann unsere Lebensqualität nicht nur verbessern, sondern unser Leben sogar verlängern.

Irgendwo inmitten der rasanten Entwicklung ist die Freude an persönlichen Gesprächen, sozialen Beziehungen und freundschaftlichen Kontakten auf der Strecke geblieben. Wir stehen vor einer klassischen Henne-Ei-Situation: Soziale Netzwerke helfen, Lücken zu füllen, die durch unsere häusliche Zurückgezogenheit und unser Misstrauen gegenüber der Außenwelt entstanden sind. Doch wird unser Kontakt zu anderen Menschen durch den Erfolg von sozialen Netzwerken nicht noch unpersönlicher?

Eine neue, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Denkrichtung zeigt uns die Notwendigkeit eines Mittelwegs: Die Vorteile von Online-Netzwerken zu nutzen, aber gleichzeitig bewusst unser emotionales Wohlbefinden zu fördern, indem wir persönliche Kontakte pflegen und Beziehungen zu Menschen mit einer ähnlichen Lebenseinstellung vertiefen.

Es gibt Anzeichen dafür, dass Beziehungen, die uns in unsere Familie, unseren Freundeskreis, die Nachbarschaft und das soziale Umfeld einbinden, nicht nur unsere Lebensqualität verbessern, sondern unser Leben sogar verlängern können.

Networking sollte daher als Konzept nicht nur in der Geschäftswelt Anwendung finden und dazu dienen, durch organisierte Veranstaltungen potenzielle neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen.

Es geht um eine andere Art, Beziehungen zu pflegen, einen langsameren, ruhigeren und natürlicheren Weg, mit Menschen zusammenzutreffen, ohne aus ihnen Profit schlagen zu wollen. Es geht darum, den Gemeinschaftsgeist wieder aufleben zu lassen und die Idee der Freundschaft und den Zusammenhalt der Nachbarn hochzuhalten.

In Seattle wurde ein neues Projekt ins Leben gerufen: „Stop and Chat“ ist eine Initiative, die Menschen dazu anregen soll, sich fünf Minuten Zeit für eine Unterhaltung mit dem Nachbarn zu nehmen, wenn sie ihn auf der Straße treffen. Die Idee ist simpel und selbsterklärend und zeigt, wie einfach es ist, den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen wiederzufinden. Anstatt die Anzahl der „Freunde“ und „Follower“ zu zählen, zählt hier die Qualität der Beziehungen.

Und dafür gibt es einen Grund. Wir fühlen uns gut, wenn wir Zeit mit anderen Menschen verbringen, aufeinander Rücksicht nehmen und gemeinsam arbeiten. Es ist eine Möglichkeit, unseren Horizont zu erweitern, sei es, dass der ständige Gebrauch des Computers ihn etwas eingeschränkt hat, oder dass wir mit fortschreitendem Alter nicht mehr ganz so mobil sind. Einsamkeit, so sagte ein Herzspezialist kürzlich, ist das neue Rauchen – so sehr kann es unserer Gesundheit schaden.

Aktivitäten in der Gemeinschaft, z. B. indem Sie einem Verein beitreten, im Chor singen, in einem Altenheim aushelfen, als Betreuer oder Mentor zur Verfügung stehen oder bei einem Naturschutzprojekt vor Ort mithelfen, bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihre Zeit und Energie mit Menschen zu teilen und dafür den Enthusiasmus und die Freundschaft anderer zu gewinnen.

Ihr Wissen und Ihr Erfahrungsschatz sind wertvoll. Die Teilnahme an einem Mentorenprogramm ist eine hervorragende Gelegenheit, jüngeren Menschen zu helfen und dabei zu entdecken, dass auch sie Ihnen viel zu geben haben. So können Brücken zwischen ganz unterschiedlichen Altersgruppen geschlagen werden.

Soziale Kontakte und das Knüpfen neuer Freundschaften sind ein guter Schritt, aber genauso wichtig ist es, diese Beziehungen zu stärken, sich Zeit für unsere Familie und den Freundeskreis zu nehmen und gemeinsame Aktivitäten zu organisieren. Vielleicht will der ein oder andere Freund Sie auch einmal zu einem Gemeinschaftsprojekt begleiten, für das Sie bereits aktiv sind.

Geben Sie sich einen Ruck und nehmen Sie sich Zeit für die Menschen um Sie herum …